Luminale - Interview mit Miriam Prantl

Auf Kurs: #LB16

Die Luminale gilt als die Biennale des Lichts. Die Vorarlberger Künstlerin Miriam Prantl wird in der Galerie Tristan Lorenz in Frankfurt die Lichtskulptur "Clasp" zeigen. Minimalistisch und zugleich ergreifend lädt Clasp ein, Raum und Räumlichkeit neu zu entdecken. Miriam Prantl gilt als Wegbereiterin einer neuen Lichtkunst, in der Farbe, Licht, Bewegung, Zeit und Raum zur einer Einheit zusammengeführt werden. Als Betrachter kann man sich voll und ganz auf einen Raum einlassen und dabei unterschiedliche Perspektiven und Dimensionen entdecken.

Wie eine Zeichnung schwebt der 2,5 m x 2,5 m große Würfel im Raum, in seinem Inneren ist eine Lichtkugel verbaut. Realisiert wurde die Lichtskulptur mit technischer Unterstützung und Knowhow von Zumtobel. lightlive sprach mit Miriam Prantl über Clasp, die Faszination Licht und die Wahrnehmung von Raum und Räumlichkeit.

lightlive: Sie kommen aus der Malerei, wie kam es dazu, dass zunehmend Licht in den Mittelpunkt Ihrer Arbeit gerückt ist?
Miriam Prantl: Es war der Schritt, die Farbe vom Träger lösen zu wollen und so Licht als Medium und Weiterführung in meiner Arbeit zu verwenden. Dies ist ein Prozess, der mir erlaubt, die sinnlichen Qualitäten in der Kunst noch direkter einzusetzen.

lightlive: Was macht für Sie persönlich die Faszination Licht aus?
Miriam Prantl: Mich fasziniert das menschliche Streben zum Licht. Aber auch die Immaterialität, Licht ist einfach da. In meiner Arbeit ermöglicht mir das, freier mit Farbe  arbeiten zu können. Das tolle an den LEDs heute ist, das ich sie so mischen kann, wie ich das sonst mit einem Farbkasten machen würde.

lightlive:
Eine Soundcollage mit Eigenkompositionen von Ihnen, Tönen aus dem All von der Voyager Raumsonde und anderen Klangelementen unterlegt die Clasp-Lichtinstallation in der Galerie Tristan Lorenz. Welche Rolle spielen Musik und auch andere Elemente wie Videoprojektionen für Ihre Arbeit?
Miriam Prantl: Licht, Musik, und Videoprojektionen bilden Systeme für die Wahrnehmung. Ich interessiere mich dafür, was energetisch in einem Raum passiert, denn jeder Raum hat eine eigene energetische Ebene und Atmosphäre. Licht, Videoprojektionen und auch Sound verstärken und transformieren die Schwingung im Raum und dadurch auch dessen Wahrnehmung. Es sind auch Mittel, um in einen anderen, ruhigeren Rhythmus zu kommen. Erst wenn man zu einer inneren Ruhe findet, kann man die Weite bzw. das Ausdehnen und Implodieren von Raum und Zeit erleben.

lightlive: Wie wichtig ist es als Künstler in seiner inneren Mitte zu ruhen und was hilft Ihnen dabei, diese zu finden?
Miriam Prantl: Meditation, Konzentration, in seine Mitte kommen, die Balance testen - das sind  für mich wichtige Voraussetzungen in meiner  künstlerischen Entwicklung. Auch Musik und Klänge helfen dabei.  Es geht immer wieder darum, sich zu fokussieren und Schichten von Ballast abzulegen, um an den Punkt zu gelangen, wo meine Arbeit und meine Sprache wirklich direkt und aussagekräftig sind.

lightlive: Was oder wer inspiriert Ihre Arbeiten?
Miriam Prantl: Das sind unter anderem Moholy Nagy, James Turell, Dan Flavin und der Minimalismus. Aber auch die Natur, die Physik und was ich rund um mich wahrnehme.

lightlive: Was verbirgt sich bei Clasp hinter der geometrischen Formensprache des Würfels?
Miriam Prantl: Clasp ist eine Serie von Licht-Installationen. Der Würfel ist Ausgangspunkt, ist Geometrie, ist Perfektion, ist als Weiterführung die Architektur. Beim Kunsthaus Bregenz  habe ich die Fassade des minimalistischen Glaskörpers mit Licht bespielt. Schlanke LED-Linien wurden zu Lichtklammern, die das Innere des Gebäudes zusammenhalten.
Bei der Skulptur in der Galerie Tristan Lorenz geht es nicht mehr um die Außenhaut bzw. das nach außen dringende Licht und die nach außen gehenden Räume und Reflektionen. Es ist die Umkehrung davon, ein implodierter Raum, sich absorbierendes Licht. Um diese Tiefe zu erzeugen, arbeite ich hier in einem abgedunkelten Raum mit UV-Licht, das in seiner Wirkung von Innen leuchtet und das Licht nach Innen zieht.

lightlive: An was arbeiten Sie geraten und können Sie uns vielleicht schon etwas über weitere Projekte verraten, auf die wir uns 2016 freuen dürfen?
Miriam Prantl: Vorerst ein Kunst am Bau Projekt in Deutschland und die Beteiligung in der Lichtausstellung "Lunapark 2000" im Museum Ritter.

Wie Zumtobel sich auf der Light + Building 2016 präsentieren wird und welche Produkte in den verschiedenen Anwendungsbereichen neue Gestaltungsmöglichkeiten bieten, erfahren Sie weiterhin hier auf lightlive.com in der Serie "Auf Kurs: #LB16".

Einen ersten Eindruck der Highlights der Präsentation und die Möglichkeit einen Termin zu vereinbaren, haben Sie auf unserer Light + Building Website.