Circular Flows

EOOS vertritt Österreich auf der XXII. Triennale di Milano 2019, Mailand | IT

Der vom Bundeskanzleramt geförderte und vom MAK beauftragte Beitrag CIRCULAR FLOWS: The Toilet Revolution! zeigt, wie viel Design für die Regeneration der Welt leisten kann.

Es ist eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit und dennoch weitgehend unbekannt: Die Verschmutzung unserer Gewässer durch Stickstoff. Das renommierte Wiener Designstudio EOOS hat den revolutionären Prototyp einer Toilette zur Urin-Separation (Urine-Trap) entwickelt, das eine systemische Designlösung im Kampf gegen das globale Stickstoffproblem anbietet. Der österreichische Beitrag zur XXII. Triennale di Milano 2019 präsentiert die Urine-Trap eingebettet in eine multimediale Installation, die das ökologische Zusammenspiel von Küstengewässern, Abwassersystemen und Landwirtschaft verdeutlicht. Die Ausstellung von EOOS zeigt, welchen Beitrag die Urin-Separationstoilette zur Reparatur des wertvollen Stickstoffkreislaufs und damit zur Wahrung der ökologischen Grenzen unserer Erde leisten kann.

Die Urine Trap von EOOS versteht sich als systemische Designlösung im Kampf gegen das globale Stickstoffproblem. Sie macht es möglich, Urin in einer herkömmlichen Spültoilette für NutzerInnen unauffällig abzutrennen. Neben anderen Nährstoffen be-inhaltet der Urin rund 80 % des im Abwasser enthaltenen Stickstoffs: Somit kann die-ser aus dem Abwasserstrom entfernt, dezentral in Tanks gesammelt und schließlich behandelt als Dünger verwendet werden.

Österreich-Beitrag zur Triennale di Milano 2019

Die Urine Trap basiert auf jahrelangen Forschungsarbeiten des Schweizer „Eawag: Das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs“, das Pionierarbeit im Bereich der Urinse-paration leistet. Seit 2011 arbeitet die Eawag an einer revolutionären, vollkommen au-tarken High-Tech-Toilette für die Bill & Melinda Gates Foundation, wobei EOOS das Design der Blue Diversion Toilet verantwortet. Zentral ist dabei die getrennte Führung von Wasser, Fäkalien und Urin. Nach Jahren der gemeinsamen Forschung hat EOOS nun mit der Urine Trap eine Weiterentwicklung vorgelegt, bei der die Urinseparation mit geringem Aufwand in der herkömmlichen Spültoilette integrierbar ist. Gemeinsam mit dem Schweizer Keramikhersteller LAUFEN hat EOOS die Urinseparationstechno-logie zu einem Produkt weiterentwickelt.

Während die Klimaveränderung durch den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bereits größere Aufmerksamkeit genießt, ist das durch Abwässer und agrarische Düngernut-zung verursachte Stickstoffproblem von der Bevölkerung noch weitgehend unbeachtet. Eine Reihe von führenden WissenschaftlerInnen stuft jedoch die großen Stickstoff-ströme als noch bedrohlicher ein als den Klimawandel. Ihrer Ansicht nach überschrei-tet der biochemische Fluss von Stickstoff die planetaren Grenzen, außerhalb derer die Lebensgrundlage der Menschen gefährdet ist.

Vor allem in urbanen Einzugsgebieten werden mit dem Abwasser große Mengen an Stickstoff in Flüsse eingeleitet. Zu viel Stickstoff führt zu einem vermehrten Wachstum von Algen, die den Küstengebieten Sauerstoff entziehen. Die Folge sind Totzonen („dead zones“), in denen kein höheres Lebewesen mehr existieren kann. Das World Resources Institute listet fast sechzig solcher Totzonen an europäischen Küsten auf. Mit der Urine Trap werden wachsende Städte ermächtigt, den Stickstoff für die Land-wirtschaft wiederzuverwenden, anstatt die Natur zu zerstören.

Der Österreich-Beitrag zur XXII. Triennale di Milano 2019 präsentiert die Urine Trap eingebettet in eine multimediale Installation (von Process Studio, Wien, mit einer Lichtinszenierung von Zumtobel), die den Stickstoffstrom anschaulich visualisiert. Eine digitale Projektion macht die fatale Logik der linearen Ökonomie erlebbar: den um-fangreichen Einsatz von Industriedünger, die gängigen Stickstoffverluste und -einleitungen durch Abwasserbehandlung und schließlich die Totzonen in den Ozeanen. Ein zweites, visionäres Szenario visualisiert die mögliche Reparatur des Stickstoffkreis-laufs mithilfe von Urinseparationstoiletten und damit die Chance auf die Wahrung der planetaren Grenzen. Eine Animation zeigt die Utopie einer idealen Flussmündung: auf Basis wissenschaftlicher Daten wird der tatsächliche Zustand des französischen Seine-Einzugsgebietes einem wünschenswerten gegenübergestellt.