Brigitte Kowanz "Keep at it"

Ausstellung, Häusler Contemporary Lustenau

Häusler Contemporary freut sich, in einer Überblicksausstellung bei «be» in Lustenau die international bedeutende Österreicherin Brigitte Kowanz zu präsentieren, die soeben zur Vertreterin ihres Heimatlandes auf der nächsten Kunstbiennale von Venedig ernannt wurde. Mit ausgewählten Arbeiten der letzten 20 Jahre veranschaulichen wir Kowanz’ vielschichtigen Umgang mit Licht und Sprache und ermöglichen die Erfahrung der Anziehungskraft ihrer Werke in einmaligem räumlichem Ambiente.

Brigitte Kowanz (*1957, Wien) gehört mit ihren genuinen Lichtarbeiten zu den international bedeutenden Kunstschaffenden auf diesem Gebiet. Sie macht Licht als eigenständiges Phänomen sichtbar, das nicht nur beleuchtet, sondern ähnlich wie Sprache und Schrift Informationsträger ist und Bedeutung generiert. Nicht von ungefähr kombiniert die Künstlerin daher seit den späten 1980er-Jahren Licht mit Sprache zu einprägsamen Bildformeln. Beide Ausdrucksmittel dienen Kowanz als Medium, Motiv und Metapher, um das komplexe Verhältnis von Sehen und Verstehen, Wahrnehmen und Erkennen zu visualisieren. Für diese Leistung erhielt sie 2009 den Grossen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst, und soeben erfolgte eine weitere massgebende Würdigung: Kowanz wurde eingeladen, in einer Doppelausstellung mit Erwin Wurm den Österreichischen Pavillon auf der 57. Biennale von Venedig 2017 zu bespielen.

In der Ausstellung im Haus 2226 in Lustenau präsentieren wir eine Auswahl von älteren und neueren Werken, welche die Bandbreite von Kowanz’ inhaltlichem und technischem Vokabular veranschaulichen: Mit typografischer Schrift und Handschrift, Morsecodes und Zahlen pointiert sie in ihren Arbeiten bestehend aus Neonröhren, LED, Metall und Spiegeln immer wieder das Verhältnis von Form und Inhalt. Ein gutes Beispiel dafür ist die frühe Arbeit «Il messaggio cifrato», 1986/2009, deren Schriftzug sich systematisch über mehrere Ecken biegt – wo ein "d" steht nach rechts (destra) und bei einem "s" nach links (sinistra). Dadurch wird dem Publikum nicht nur durch die Fremdsprache die Lesbarkeit des Texts erschwert. Gelingt das Entziffern schliesslich, so liest man Folgendes: "Die verschlüsselte Nachricht dieses Schriftbandes bewirkt das Zustandekommen seiner Form". Nach demselben Prinzip funktioniert in unserer Präsentation auch die Arbeit "Manifested Form", 1996/2009, auch hier gibt die Aussage der Nachricht die äussere Erscheinung des Werks vor und umgekehrt.

© Häusler Contemporary

Mit insgesamt vier Arbeiten von 2011 bis 2015 zeigen wir zudem die wichtige Serie der «Discs». Die Werke bestehen aus kreisförmigen Neonröhren, die durch abgedunkelte Partien auf dem Glas Wörter im Morsecode wiedergeben. Der eingeprägte Code ist dabei stets der Titel der jeweiligen Arbeit. Angebracht auf geschliffenen Edelstahlscheiben, die einen matten Spiegel für das Neonlicht bilden, wird die faktische Textaussage zum optisch illusionistischen Relief, das wie eine Sonne seinen Umraum erhellt. Verschiedene Wandarbeiten und ein Bodenkubus zeigen zudem die Wichtigkeit, die dem Spiegel in Kowanz’ Schaffen zukommt. Sie nutzt ihn wiederholt, um virtuelle Räume zu eröffnen, um die jeweils im Werk eingeschriebene Botschaft zu verstärken oder zu verunklären, und um das Publikum und den Umraum ins Werk einzubinden. Eindrücklich sind diese Aspekte in der Arbeit «Who» von 2013 vereint: Die Frage nach der Identität der Betrachtenden ist
wiederum in leuchtender Morseschrift notiert und zu einer amorphen Form gefügt, die sich vor der spiegelnden Fläche bis ins unendliche repetiert. So versammelt unsere Ausstellung Werke, die das Publikum auf verschiedenen Ebenen in den Bann ziehen und die exemplarisch stehen für die einzigartige künstlerische Strategie von Brigitte Kowanz.

Text:
Deborah Keller, Häusler Contemporary

Eröffnung: Freitag, 22. April 2015, 19 Uhr, bis September 2016
mit freundlicher Unterstützung von Zumtobel


Brigitte Kowanz ist seit 1997 Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien und wurde 2009 mit dem Grossen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Bereits 1984 war sie auf der Biennale in Venedig vertreten sowie 1987 auf jener in São Paulo und 1990 auf der Biennale of Sidney. Weltweit bedeutende Institutionen wie das Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna oder das Museum Moderner Kunst (MUMOK) in Wien haben der Künstlerin in den letzten Jahren umfangreiche Einzelausstellung gewidmet (2005 und 2010).