"Ich wollte das Lichtforum zum Leben erwecken"

Fotograf und Videokünstler Andreas Waldschütz im Interview

Im Zumtobel Lichtforum in Dornbirn wird Licht zu greifbarer Erfahrung. Hier wird die Leidenschaft von Licht und die damit verbundene Innovationskraft von Zumtobel erlebbar. In einem neuen Imagefilm setzt Fotograf und Videokünstler Andreas Waldschütz diesen besonderen Ort des Lichts philosophisch in Szene. Seine Bilderwelten basieren dabei auf einer ganz eigenen Ästhetik – progressiv, futuristisch, avantgardistisch. Mit Zumtobel spricht er über seine Inspiration, seine Arbeit und die emotionale Wirkung von Licht.

Herr Waldschütz, wie kommt ein Kunstfilmer wie Sie dazu, mit Zumtobel zusammenzuarbeiten?
Ich bin ja nicht nur Videokünstler, sondern auch Fotograf. In meinem Beruf ist Licht sehr essentiell. Deshalb ist es für mich sehr spannend, mit Zumtobel zusammenzuarbeiten. Als ich vor zwei Jahren für Marte.Marte Architekten die Filme zu ihrer ganz persönlichen Ausstellung "Appearing Sculptural" filmisch umgesetzt habe, kam Zumtobel, langjähriger Partner des Vorarlberger Architekten-Brüderpaars, auf mich zu. Sie hatten die Idee, dass ich auch für Zumtobel Filme kreiere, die künstlerisch-innovativ anmuten. Mein erster Auftrag war dann ein Film im Kunsthaus Bregenz über die Ausstellung von Wael Shawky.

Was schätzen Sie an der Kooperation mit Zumtobel?
Zumtobel betrachtet mich als Künstler, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Ich schätze vor allem die Freiheit, die mir der Leuchtenspezialist bei der Umsetzung der Filmprojekte gibt. Ich darf "einfach machen". Wenn man einen kreativen Menschen machen lässt, dann kommt am Ende des Tages etwas vorher noch nie Gesehenes raus, weil die Motivation stimmt. Das Besondere an der Kooperation mit Zumtobel ist, dass ich mit ebenso kreativen Menschen zu tun habe, die mir vertrauen und meine Arbeit schätzen . Das ist die Basis von allem – wenn die Energie stimmt, wird auch das Ergebnis gut.

Welche Rolle spielt Licht in Ihrer täglichen Arbeit?
Licht spielt eine sehr wesentliche Rolle in meiner Arbeit. Licht ist das tägliche Leben, Licht bestimmt unseren Alltag. Gerade im Bewegtbild kann man mit Licht viel steuern. Nur mit Hilfe von Licht kann man eine Szene "happy" machen, "dark" oder "psycho" wirken lassen. Licht ist das Wichtigste, das uns visuell arbeitenden Menschen dafür zur Verfügung steht.

Für Zumtobel haben Sie schon mehrere Videos gedreht, das Neueste über das Lichtforum Dornbirn. Woher kam die Inspiration?
Als ich das erste Mal durch das Zumtobel-Lichtforum in Dornbirn lief, fühlte ich mich wie im Film "2001: A Space Odyssey". Das Lichtforum mutet sehr futuristisch an, es stellt für mich die Seele dieser Firma dar. Für mich war klar, dass ich dieses "Herz Zumtobels" auf eine künstlerische und philosophische Art und Weise zum Leben erwecken wollte – im Film.

Bitte erklären Sie uns das Konzept hinter dem Film.
Ich hatte die Idee, das Lichtforum zu personifizieren, wobei die Personengestalt nicht sonderlich spezifisch sein sollte, sondern androgyn. Ich wollte das Lichtforum sprechen lassen und hatte Bilder im Kopf, dass plötzlich eine Person vor mir steht. Mir war es wichtig, dem Ganzen einen human touch zu geben – weg von der Technologie. Da kam mir die Idee, anfangs die Produkte, die Leuchten, zu zeigen und dann die Person ins Spiel kommen zu lassen. Dabei geht es nicht um die Person an sich, sondern dass die Person das Lichtforum verkörpert. Das Lichtforum ist die Person und die Person ist das Lichtforum.

Wie würden Sie den Film in Worte fassen?
Innovation ist zwar ein sehr überstrapaziertes Wort, aber es ist tatsächlich so. Wenn ich das Lichtforum betrete, spüre ich förmlich die Innovation, die dort stattgefunden hat. Das ist auch in etwa die Message, die ich im Film transportieren wollte. Als ich das erste Mal ins Lichtforum eingetaucht bin, fühlte ich mich wie in einer anderen Welt. Deshalb ist es gar nicht so einfach, das in Worte zu fassen. Eigentlich geht es ums Licht. Der Film ist Licht.

Sie sind für Ihre futuristische Bildsprache bekannt. Das spiegelt sich auch im Imagefilm von Zumtobel wieder – was fasziniert Sie an dieser Ästhetik?
Mich faszinieren schon immer andere Welten. Die Welt, in der wir leben, kann ich zwar auch dokumentieren, aber ich finde es viel spannender, aus dem schon Gegebenen etwas ganz Neues zu kreieren, also eine völlig neue Welt, eine futuristische Welt zu gestalten. Wir wissen ja nicht, was es da draußen noch alles gibt. Für mich ist es die Faszination, mit dem zu spielen, was dort draußen im Bereich des Möglichen liegt, ob es nun existiert oder nicht. Deshalb haben meine Werke immer einen futuristischen Touch.

Musik spielt eine wesentliche Rolle in Ihren Filmen: Wenn Sie ein bestimmtes Thema mit Bewegtbild inszenieren, was haben Sie zuerst im Kopf – die Musik oder das Bild?
Bei meinen Produktionen ist der Sound sehr wichtig, weil ich sehr darauf achte, dass bestimmte Bilder mit Geräuschen noch mehr Wertigkeit bekommen. Hier arbeite ich eng mit Stefan Hoffmeister zusammen. Er ist bei den Drehs dabei und übernimmt das Field Recording. Daraus werden dann die den Film tragenden Melodien oder Musikstücke produziert. Ich habe früher selbst Schlagzeug gespielt, bin also ein äußerst musikalischer Mensch. Musik ist für mich sehr wichtig. Ich stehe in der Früh auf und schalte sofort die Musik ein. Ohne Musik geht es bei mir nicht – sie begleitet mich Tag und Nacht, wie das Licht. Musik ist für mich Leben – das sind Assoziationen, Stimmungen, Erinnerungen. Da entstehen Bilder im Kopf. Für meine Produktionen gehe ich unterschiedlich vor: entweder höre ich einen Track und mir kommen dazu Bilder in den Kopf oder ich produziere Bilder und mir fällt der Sound dazu ein.

Sie haben sich das Handwerk rund um Video und Fotografie selbst beigebracht. Wie entstand Ihr Interesse für Videokunst?
Aus nichts etwas zu schaffen, finde ich schon immer faszinierend. Als ich zwölf Jahren alt war, habe ich angefangen, analog zu fotografieren. Ich bin durch die Natur gegangen und habe die verschiedensten Einstellungen der Kamera getestet. Die ersten Versuche waren eine große Enttäuschung für mich. Als ich 1999 auf Weltreise ging und knapp drei Jahre in Kaliforniern lebte, hatte ich den großen Traum, in die Filmbranche einzusteigen. So habe ich erste Versuche im Bereich Bewegtbild gestartet und nebenbei fotografiert.

Als ich später für ein Jahr in London lebte, wurde in meine Wohnung eingebrochen und alles geklaut, inklusive Laptop und Festplatte. Meine Arbeiten waren auf einmal verschwunden, als hätte ich nie im Leben etwas produziert. Das war ein großer Schock für mich. Ein Albtraum: auf einmal alles weg. Ich bin dann in mich gegangen und hab das als Zeichen gesehen, dass es wohl mit der Filmerei nicht sein sollte. So habe ich mich wieder aufs Fotografieren konzentriert, wobei ich mir alles autodidaktisch selbst beigebracht habe. Durch die Modefotografie bin ich nach und nach wieder zum Filmen gekommen. Jetzt fühle ich mich im Videobereich wieder total wohl. Zurzeit bin ich eher im Bewegtbild zu Hause. Bei mir gibt es da immer so Phasen, wo ich mich gerade wohler fühle – Film oder Fotografie. Das Schöne ist, ich bin nicht abhängig von dem einen oder dem anderen.

Über Andreas Waldschütz
Andreas Waldschütz‘ Liebe zur Videografie wurde in den frühen 2000ern entfacht – in dieser Zeit produzierte er in den Hollywood Hills und San Francisco Musikvideos für Indie-Bands. Heute lebt der 1976 in Wien geborene Autodidakt in Berlin und hat sich einen Namen als Fotograf und Videokünstler gemacht. Er produziert Hochglanz-Modestrecken, anspruchsvolle Kampagnen sowie Kunst-, Image- und Fashionfilme. Seine international angesehenen Arbeiten beruhen dabei immer auf einer sehr starken Ästhetik: Waldschütz kreiert eigene Welten – futuristisch, avantgardistisch, progressiv. Dabei überlässt er nichts dem Zufall: Menschen, Musik, Licht, Kostüme und Orte – jedes Detail seiner Videos ist genauestens geplant und visualisiert seine Vorstellung. Für Zumtobel stand Waldschütz bereits für Projektfotografie und Produktvideos hinter der Kamera. Der Imagefilm für das Lichtforum Dornbirn ist das neueste gemeinsame Projekt.

Andreas Waldschütz stand für Zumtobel schon öfter hinter der Kamera. Vergangenes Jahr drehte er beispielsweise einen Film im Kunsthaus Bregenz über die Ausstellung von Wael Shawky.

Zudem fotografierte Waldschütz ein Outdoor-Projekt von Zumtobel in Bürchen, Schweiz.

Waldschütz fotografierte auch schon ein Outdoor-Projekt von Zumtobel. © Zumtobel

Mit einer Lichtlösung von Zumtobel wurde der neue Dorfplatz in Bürchen im Schweizer Wallis mystisch in Szene gesetzt. © Zumtobel

Mit seiner Kamera fing Waldschütz die mystische Stimmung in Bürchen, Schweiz ein. © Zumtobel

Dem Lichtwerkzeug SUPERSYSTEM outdoor gelang es auf fabelhafte Weise, das alpine Bergdorf in weiche Lichtkreise einzutauchen. © Zumtobel